Der Typ zwei Reihen vor mir brüllt es einfach so in die Dunkelheit des Kinosaals. "Who's your daddy?" Als wäre das irgendwie cool oder originell. Auf der Leinwand läuft eine Szene mit Tänzerinnen — ein Film, mehr nicht. Aber er fühlt sich offenbar wie der König der Welt.
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„Worte der Bestätigung, Zeit zu zweit, körperliche Berührung“, rattert die Playmate vor der Kamera herunter, als hätte sie für die mündliche Prüfung gelernt. Mein Assistent grinst. Ich bin zu beschäftigt damit, den Fokus zu kontrollieren. Linkes Auge scharf? Ton läuft? Die Lampe vibriert wieder, verdammt.
Es gibt diese Momente, die man eigentlich in einer Sitcom unterbringen müsste. Da stehe ich an der Hotelrezeption, neben mir ein aufstrebendes Model, und die Dame hinter dem Tresen wartet geduldig auf die Personalien für den Meldeschein. Und ich, der das Model seit Stunden beim Künstlernamen nenne, muss kleinlaut fragen: "Wie heißt du eigentlich richtig?" Die Rezeptionistin hebt irritiert eine Augenbraue, und ich sehe förmlich das Fragezeichen über ihrem Kopf schweben. Tja, willkommen in meinem Leben als Fotograf.
Neulich im Flieger nach Fuerteventura. Die Stewardess schiebt ihren Trolley durch den Gang und präsentiert mir die Bordmenükarte. "Taste the World" steht da in eleganter Schrift, darunter ein Foto von einem knusprigen Wiener Schnitzel auf schwarzem Keramikteller, garniert mit Gemüse und Kartoffelspalten. Das Besteck glänzt edel im Fotolicht. Fast hätte ich vergessen, dass ich mich in einem Flugzeug befinde. Fast.
Ein voller Tag pro Woche. So viel Zeit stecke ich im Schnitt in meine Website. Ich finde das selbst ein bisschen verrückt. Neue Fotoserien wollen vorbereitet werden, Blog-Artikel wie dieser schreiben sich leider nicht von allein und irgendwo wartet immer ein Inhalt, der dringend gepflegt werden möchte. Hochgerechnet bin ich also rund zehn Arbeitswochen im Jahr mein eigener Webmaster. Ein Mitarbeiter, der ständig Überstunden macht und nie eine Rechnung stellt.
Vielleicht kennen Sie das Lied "Sunscreen" von Baz Luhrmann. Es beginnt mit den Worten "If I could offer you only one tip for the future, sunscreen would be it." Und obwohl der Song von 1997 ist, ist er für mich aktueller denn je.
Auf meinem Schreibtisch liegt eine neue Kamera. Eine Sony a7R V. Die Fünf, Sie haben richtig gelesen, nicht die Sechs, die seit Monaten durch die Fachpresse gereicht wird wie ein besonders gelungenes Neugeborenes. Eine bewusste Entscheidung. Ich erkläre sie Ihnen gern, schon weil ich selbst eine Weile gebraucht habe, um sie zu treffen.
Ich schaue eine Dokumentation (erst eine auf arte, dann einen Beitrag im WDR) über den männlichen Blick in den Medien. Eigentlich bin ich interessiert, denn als jemand, der täglich mit Bildsprache arbeitet und sich durchaus als Feminist versteht, sollte mich das Thema packen. Stattdessen sitze ich nach zwanzig Minuten vor dem Bildschirm und frage mich, ob ich gerade Zeuge einer intellektuellen Bruchlandung geworden bin.
Den Kalender kennen Sie bereits. Die Tradition verpflichtet, also schreibe ich auch diesmal ein paar Zeilen zu den einzelnen Blättern. Was dahintersteckt, wie es entstand, was ich mir dabei gedacht habe.
Letzte Woche stand ich wieder einmal vor diesem vertrauten Dilemma. Ein neues Model, talentiert, wunderschön, aber mit einer seltsamen Verkrampfung, sobald das Wort "sexy" fiel. "Das klingt so… objektifizierend", sagte sie und verzog dabei das Gesicht, als hätte ich ihr vorgeschlagen, sich in Frischhaltefolie zu wickeln.
67 Bilder in der Vorauswahl. Das klingt nach einer überschaubaren Aufgabe. Ich nehme die besten 13, drucke sie aus, fertig. Wer so denkt, hat noch nie einen Kalender gemacht, oder zumindest keinen, bei dem es ihm wirklich etwas bedeutet.
Mittlerweile ist es ja kein Geheimnis mehr. Es gibt verschiedene KI-Werkzeuge, die konsistent (oder zumindest ansatzweise) Charaktere erzeugen können. Was so technisch klingt, ist es auch. Aber die Ergebnisse verblüffen.
Glamouröse Location, perfektes Licht, tolles Model — und ein Nacken, der sich anfühlt wie nach einer Nacht auf Betonkissen. Die Realität hinter den Bildern ist manchmal ein einziger Krampf. Wörtlich.
Seit das Vectorscope in Photoshop angekommen ist, drehe ich es hin und her und stelle mir eine unbequeme Frage: Wann brauche ich das eigentlich? Hand aufs Herz, mein Auge sagt mir ziemlich zuverlässig, ob ein Hautton schön wirkt. Subjektiv, natürlich. Aber Schönheit ist nun mal keine Koordinate.
Ich sitze über meiner Versandliste vom letzten Jahr und stelle fest, dass ich offiziell zum Sicherheitsrisiko für den europäischen Verpackungsmarkt geworden bin. Dreiundzwanzig Bestellungen, verteilt auf neun Länder. Sechs nach Belgien, fünf in die Niederlande, der Rest verstreut wie Krümel auf der Landkarte. Für jedes dieser Länder soll ich künftig einen notariell bestellten Bevollmächtigten haben, bevor ich auch nur ein einziges Paket verschicken darf.
Man ist verliebt in seine eigenen Bilder. Das ist normal, vielleicht sogar notwendig. Man kennt ja den Schaffensprozess, weiß genau, warum ein Foto so geworden ist wie es ist. Da war dieses harte Gegenlicht und nirgendwo Schatten. Oder es war kalt, wirklich kalt, und man war froh, überhaupt irgendetwas Brauchbares mit nach Hause zu nehmen. Das Bild erinnert an den Triumph über widrige Umstände. Dass es objektiv betrachtet vielleicht gar nicht so triumphierend aussieht, fällt einem selbst nicht auf.
Es begann mit einem einzigen Wort. »Me«. Dann das nächste, und noch eins, bis mein Postfach aussah, als hätte sich eine ganze Schulklasse gemeldet, ohne die Frage abzuwarten. Ich hatte einen Modelcall für ein Shooting auf Fuerteventura abgesetzt, und zurück kam ein Trommelfeuer aus zwei Buchstaben.
Letzte Woche stellte mich jemand auf einem Event als "Content Creator" vor. Ich musste kurz überlegen, ob ich beleidigt sein sollte.
Auf einer langen Autofahrt durch Österreich, vor vielen Jahren, lief im Radio ein Interview mit einer Mentaltrainerin. Ich war damals außerordentlich empfänglich für das, was sie erzählte. Es hat mich regelrecht gepackt und sofort überzeugt. Seitdem pflege ich ein Erfolgstagebuch.
Neulich landete eine bemerkenswerte Nachricht in meinem Postfach. Ein Portal namens Projectcasting.com teilte mir mit, mein Campaign Listing sei weiterhin online und warte auf meine Freigabe der Bewerber. Man habe schon mehrfach nachgefragt, wolle aber nicht lästig werden.
Campaign Listing
Fünf Pakete unterm Arm, alle im exakt gleichen Format, und die Dame an der Supermarktkasse greift trotzdem zum Zollstock. Jedes wird einzeln nachgemessen, als verberge sich im fünften womöglich ein Schmuggelgut, das die anderen vier nicht enthielten. Bei eintausendneunhundertsiebzig Gramm entfährt ihr dann der obligatorische Satz, "das passt ja gerade so", als hätte ich versucht, einen Wäschetrockner als Päckchen zu deklarieren.
Es ist kurz nach zwei Uhr nachts, das Thermometer zeigt neunundzwanzig Grad, und ich liege wach, weil ich keine Klimaanlage habe. Tropische Nächte, das klingt nach Cocktails und Mottoparty auf einem Kreuzfahrtschiff, ist in Frankfurt aber vor allem eines: eine Einladung zum Grübeln. Also plane ich, wenn ich schon nicht schlafen kann, lieber gleich den November.
Ich sitze auf dem Sofa und versuche, nicht an das nächste Shooting zu denken. Es ist ein wichtiges Projekt, also kreisen meine Gedanken natürlich genau darum. Um mich abzulenken, fange ich an zu rechnen. Ich wurde dieses Jahr 50. Jahreszahlen schwirren mir durch den Kopf. Wann genau habe ich mein Studium abgeschlossen? Ab wann habe ich seriös mit Aktfotografie angefangen? Und was heißt seriös überhaupt? Naja, so, dass ich die Bilder heute noch zeigen würde. Nicht irgendwelche flüchtigen Bekanntschaften oder Affären fotografiert, sondern ein echtes Modell, mit echtem Anspruch.
Stellen Sie sich vor, Sie sind Künstler und Ihre Werke sollen plötzlich verschwinden. Nicht weil sie schlecht sind, sondern weil das Modell es sich anders überlegt hat. Ein unschönes Thema, über das keiner spricht.
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